Liebhaberei bei Künstlern

Liebhaberei bei nebenberuflich ausgeübter künstlerischer Tätigkeit

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Der Obel – Alles Rund.

Die meisten kennen ihn aus den „Nightwash Clubs“, dem „Wunder von Bern“ oder noch vom Kult-Duo „Till & Obel“....

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Foto: Schiko

Booker Manuel Schottmüller im Interview mit medienvorsorge.de

Ich kann Festivalbesuche von der Steuer absetzen!

Seit 2001 arbeitet Manuel Schottmüller für die SSC Group in Düsseldorf, seit 2006 ist er Leiter der Konzertabteilung. Sein offizieller Titel: „Head of Booking“. Die Konzertagentur ist verantwortlich für 900 Shows pro Jahr, vor allem in Deutschland und der Schweiz sowie in Österreich und den Benelux-Ländern. Die Kapazitäten reichen dabei von 300 bis 6000 Besuchern. Schottmüller vertritt so unterschiedliche Künstler wie Stromae, Steve Aoki oder Soulwax. Inzwischen ist er auch als Programmacher für verschiedene Festivals tätig – für das c/o pop in Köln und das New Fall in Düsseldorf. Zudem reist er als „Speaker“ durch die Musikwelt. Er war in der Funktion schon beim Eurosonic in Groningen, ILMC in London und Global Groove in Neu-Delhi.

 

Manuel Schottmüller, Sie haben mit 15 Jahren angefangen, Schallplatten zu
sammeln und aufzulegen. Können Sie eigentlich die Schallplatten, die Sie kaufen,
von der Steuer absetzen?

Ich habe in der Vergangenheit vor allem alte Funk- und Soul-Platten gekauft, das macht das Finanzamt leider nicht mit.

 

Heute sind Sie Programmmacher bei zwei hochwertigen Festivals – dem „c/o pop“ in Köln und dem New Fall in Düsseldorf. Was genau ist Ihr Job?

Meine Hauptaufgabe besteht darin, Künstler für die jeweiligen Festivals zu finden, die einen roten Faden darstellen können. Für das c/o pop Festival war das, die Speerspitzen verschiedener Musikrichtungen bzw. Szenen im Programm zu vereinen. Das ging bei Kelis los, die gerade ein unglaublich innovatives neues Album veröffentlicht hat, bis hin zu Künstlern wie Mount Kimbie, Vorreiter in Sachen neuer Dub aus UK.

 

Und was zeichnet das New Fall Festival in Düsseldorf aus?

Beim New Fall stehen natürlich vor allem die besonderen Orte im Vordergrund. Wir bespielen dort klassische Musiksäle mit Pop, Folk, Indie, etc.  Da müssen Venue und Künstler zusammen passen. London Grammar spielen zum Beispiel in diesem Jahr in der Tonhalle, das passt einfach perfekt.

 

Wann ist Ihr Job erledigt?

Ich glaube, nie. Wenn ich mit dem Programm fertig bin schaue ich meistens schon wieder, was für das nächste Jahr gehen könnte.

 

Sie sind auch für die „White Stage“ zuständig, die elektronische Bühne bei den großen Open-air-Festivals Hurricane und Southside. Was ist der Unterschied zu den Stadt-Festivals?

In Köln und Düsseldorf muss ich immer schauen, welches Konzerthaus zu welchem Künstler passt. Denn in beiden Fällen finden die Festivals an unterschiedlichen Spielstätten statt. Fragen lauten: Sind die Shows bestuhlt oder unbestuhlt, was sind die Kapazitäten der Venues? Das reicht in beiden Fällen von 300er-Läden bis hin zu großen Konzertsälen mit 2000 Plätzen. Beim Hurricane und  Southside bespielen wir zwei große Zelte. Kapazität: 6000. Die Zelte sind dafür ausgelegt, die großen Electro-Acts zu präsentieren.

 

Wie viele Shows pro Jahr gehen insgesamt auf Ihre Kappe?

300 Konzerte laufen im Jahr über mich, der größte Teil in Deutschland, aber auch in der Schweiz, wo wir ein eigenes Büro haben, zudem in Österreich und Benelux.

 

Wie viele Tage pro Woche sitzen Sie im Büro, wie häufig sind Sie selbst vor oder hinter der Bühne?

Durchschnittlich bin ich fünf Tage im Büro und zwei Wochenenden im Monat bei Shows.

 

Wonach wählen Sie eigentlich die Festivalbands aus?

Das Wichtigste: Der Künstler muss zum Charakter des Festivals passen. Er sollte innovativ sein,  er muss genug Tickets verkaufen – im Hinblick auf die jeweilige Größe des Konzertsaals – und sein Festivalauftritt sollte technisch umsetzbar sein.

 

Wie oft kommt es vor, dass eine Band schlichtweg zu teuer ist?

In Bezug auf Festivals kommt das leider oft vor. Eine Band hat meistens direkt eine andere Gagenforderung, wenn sie das Wort „Festival“ hört. Dann muss man den Managern vorrechnen, warum man diese und nicht jene Gage bezahlen kann. Je nach dem, wie gefragt der Künstler ist, hat man dann mehr oder weniger Spielraum, die Gage noch etwas nach unten zu verhandeln.

 

Ihr Tagesgeschäft besteht eher darin, ganze Tourneen zusammenzustellen...

Ja, und bei Touren ist das Prozedere oft anders. Da ist die Kalkulation auf mehrere Shows angelegt, und da findet man meistens einen Deal, mit dem alle Seiten zufrieden sind. Das liegt auch daran, dass bei Touren die Kosten pro Show offen liegen und die Bands dann genau sehen, was die Show kostet und was sie maximal einspielen können.  

 

Die Bands kommen zwangsläufig aus verschiedenen Ländern. Kennen Sie sich inzwischen mit dem Steuerrecht weltweit aus?

Zum Glück sind wir hauptsächlich in Deutschland aktiv bzw. haben ein Schweizer Büro, das sich um die Belange in der Schweiz kümmert. Im deutschen Steuerrecht in Bezug auf ausländische Künstler müssen wir ziemlich fit sein, das stimmt.

 

Welchen Unterschied macht es, wenn Sie einen einzelnen DJ buchen und auf Tour schicken?

Einen großen. Die Logistik ist bei DJs wesentlich einfacher. Sie fliegen zu jeder einzelnen Show ein. Dann spielen DJs meistens nur am Wochenende. Zudem ist es unüblich, dass DJs eine prozentuale Beteiligung vom Eintritt bekommen, was bei Bands normal ist. DJs reisen meistens alleine, und man muss sie vom Flughafen oder Bahnhof abholen und wieder hinbringen, wenn man lokaler Veranstalter ist. Das fällt bei Bands in der Regel weg, da sie mit dem Tourbus unterwegs sind. Die Technik ist natürlich beim DJ auch wesentlich einfacher, da keine Live-PA benötigt wird.

 

Ist Ihr eigenes Gehalt davon abhängig, wie erfolgreich das jeweilige Festival oder die jeweilige Tour ist?

Ja.

 

Sie sind seit 2001 bei der Konzertgruppe SSC angestellt. Machen Sie Ihre Steuererklärung noch selbst?

Ich mache sie inzwischen wieder selbst. 

 

Was findet sich häufig in Ihren Unterlagen für das Finanzamt, was andere Steuerzahler wohl eher selten einreichen?

Ich reiche die Kosten für all meine Festivalbesuche ein, das würde bei anderen Steuerzahlern wahrscheinlich eher unter Freizeit fallen.

 

Von welchem Künstler, welcher Band träumen Sie noch für das c/o pop und New Fall?

Wenn ich es mir aussuchen könnte: Stromae für das c/o pop und Ed Sheeran für das New Fall.

 

 

SSC Group: http://www.ssc-group.net

c/o pop Festival: http://c-o-pop.de/festival/

New Fall Festival: http://www.new-fall-festival.de