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Linus Volkmann

Linus Volkmann im Interview mit medienvorsorge.de

Ich bin besessen von Buchführung und Quittungen

Linus Volkmann, der als Musikjournalist in Köln lebt, hat die bundesdeutsche Popkulturwelt in den letzten 15 Jahren entscheidend mitgeprägt. Als stellvertretender Chefredakteur des Monatsmagazins „Intro“ schreibt er hauptberuflich über Pop, Kultur und Lifestyle. Zudem ist er Protagonist in originellen Bewegtbild-Formaten wie „Das Album der Woche in 38 Sekunden“ auf intro.de. In seiner Freizeit verfasst er Songtexte für seine Band „Bum Khun Cha Youth“ oder lustige Geschichten für Fanzines mit lustigen Namen („Schinken Omi“). Gerade hat der 41-Jährige sein neuntes Buch „Lies die Biber“ veröffentlicht und war auf großer Lesetour quer durch die Republik.

 

Linus Volkmann, was schätzen Sie als vielseitiger Texter an einer Festanstellung wie aktuell beim Popkultur-Magazin „Intro“?

Die Plattform „Intro“ gibt mir die Möglichkeit, mich in monatlicher Regelmäßigkeit am Diskurs über Popkultur zu beteiligen. Und das in hoher Auflage bzw. in großen Klickzahlen. In einer Festanstellung muss man sich überdies keine Gedanken um das finanzielle Auskommen des jeweiligen Monats machen.

 

Geschrieben haben Sie auch schon für den „Kölner Stadtanzeiger“ oder die „Junge Welt“. Wonach suchen Sie sich Ihre Auftraggeber aus?

Begonnen hat für mich alles mit einem Fanzine. Ich wollte teilhaben an der Szene, an geilen Geschichten, an Subkultur und an einem „besseren Leben im Falschen“. Dabei verfolge ich den Text- bzw. Blätterbetrieb. Meine Wille war stets: Wenn ich ein Magazin selbst gern lese, will ich auch mal darin stattgefunden haben. Zum Glück ist mir das über die Jahre an vielen Fronten bereits gelungen.

 

Sie haben gerade Ihr neues Buch „Lies die Biber“ veröffentlicht. Haben Sie schon mal ausgerechnet, welchen Stundenlohn Sie fürs Buchschreiben bekommen?

Das könnte ja jetzt so ein Moment der Epiphanie sein, der Erkenntnis. „Was, ich komme auf einen Stundenlohn von keinem Euro? Das hatte ich mir alles anders gedacht!“ Könnte! Ist aber nicht.

 

Warum nicht?

Ich habe ein tiefes Bedürfnis, Fiction, Prosa, Blogeinträge, Songtexte zu schreiben – abseits meines Lohn- und Brotjobs bei dem Monatsmagazin. Klar, auch „Leben sollte ein Job sein, man sollte Geld dafür bekommen“, wie es die Hamburger Band Tomte einmal treffend beschrieb. Ist aber nicht. Insofern muss ich aber auch kein Preisschild auf meine Kunst machen. Das Geld sollen andere Fertigkeiten meinerseits verdienen. Was nicht heißen soll, von der Lesungs- und Buchschreibemühle bliebe nichts übrig.

 

Wie laufen die monetären Verhandlungen mit Ihrem Verlag?

Der „Ventil Verlag“ stammt aus der ehemaligen Fanzine-Szene der 90er Jahre und ist, genau wie ich, über die Jahre gewachsen – und eine tolle Adresse für smarte, linke, theoretische, anti-sexistische, anti-rassistische, unterhaltsame Popliteratur und Sachbücher. Die Abrechnungen zu meinen Büchern erfolgen regelmäßig und seriös, das Engagement ist groß. Obwohl ich die Verträge nie unterzeichnet habe. Bürgerlicher Mist. Wir glauben: Eine andere Geschäftswelt ist möglich.

 

Sie waren zuletzt auf großer Lesereise durch Deutschland. Beschreiben Sie mal, wie das abläuft.

Das Elektrorock-Label „Audiolith“ hat uns unterstützt und alles gebucht, für meinen Kollegen Felix Scharlau und mich. Bei dutzenden Auftritten am Stück bleibt dann auch echt etwas hängen. Die Varianz ist dabei recht groß. Unterbringung erfolgt in Hotel, Hostel oder Künstlerwohnungen. Mal gibt es eine Festgage von 250 Euro, mal spielt man die Show auf Eintrittsbeteiligung. Gefahren sind wir Zug mit unseren Bahncards 50. Am ökonomischsten wäre allerdings das Auto. Aber nachdem ich meinen Wagen einmal zehn Tage jeden Morgen verkatert quer durch Deutschland gefahren habe, kam ich ab von dem Leben als Selfmade-Trucker.

 

Wovor fürchten Sie sich mehr – vor der monatlichen Deadline beim „Intro“ oder vor der jährlichen Steuererklärung?

Ich fürchte keine Deadline und keine Steuererklärung. Es gibt nur eine Antwort auf große Projekte: Arbeit und Struktur. Beides bin ich bereit einzusetzen.

 

Wie sammeln Sie unterwegs Ihre Belege für die Steuer?

Ich bin ein sehr neurotischer Mensch und dementsprechend auch besessen von Buchführung und Quittungen. Ich sammele alles und übergebe es der Steuerberaterin extrem strebermäßig aufbereitet. Und: Der geheftete Stoß ist oft dicker als meine Bücher selbst.

 

Auch Popliteraten werden einmal alt. Welche Maßnahmen zur Vorsorge haben Sie getroffen?

Gute Frage. Es begab sich vor etlichen Jahren, als der damalige Buchhalter unseres Ladens eine Betriebsrente für die interessierten, festen Mitarbeiter angeregt hatte. Und, oh ja, ich war interessiert. Auch wenn ich die Grundaufstellung damals schon hasste: Man müsse schnell zuschlagen, weil irgendwelche Konditionen nur jetzt gerade noch gelten würden. Basar-Mentalität Kapitalgeschäfte. Dass das aber Methode hat und kein Zufall ist, weiß ja jeder.

 

Wie ging die Geschichte für Sie weiter?

Ich entschied mich für das „Produkt“, zahlte fleißig (Arbeitnehmeranteil wurde vor Steuer abgezogen). Dann wechselten die Betreuer, die Namen der Versicherung, man musste den Abrechnungen nachlaufen... Kein Interesse an Service, wenn man nicht mit frischem Geld kommt. Nun, wer will aber auch Kontakt mit einer Versicherung? Genau. Insofern zu vernachlässigen. Doch dann stand im Wandel der Übernahmen irgendwann „Ergo“ auf dem Briefkopf. Eine Firma, die unglaublich viel Geld für Imagewerbung verbrät. Warum sie das tut? Vorrangig natürlich, um von dem Bild des Puffbesuchs-Ladens abzukommen.

 

Wie sind Sie damit umgegangen, dass das Unternehmen ein anderes war?

Es macht mich natürlich fertig. Jeden Monat zahlte ich nun 200 Euro an die „Ergo“. Dazu erhielten sie das auch noch vom Arbeitgeberanteil – der letztliche Betrag steuerlich begünstigt. Staat, Arbeitgeber „Intro“ und ich, wir alle wirtschafteten brav an die „Ergo“. Es ist doch so: Solche Unternehmen legen das Geld auch nur an – und wenn man bis 70 überlebt, dann zahlen sie es einem wieder aus, abzüglich Gebühren. Nicht eingerechnet ihren eigenen Gewinn, den sie damit gemacht haben. Stirbt man vorher – Medienberuf, Neurotiker, hallo? – fällt das Geld gleich ganz dem Unternehmen zu. Nur 20 Prozent kriegen irgendwie die Hinterbliebenen, in meinem Fall wäre das der Katzengnadenhof Sülz-Ost.

 

Welche Konsequenzen haben Sie gezogen?

Ich habe keine Ahnung von Kapitalwirtschaft, und ich stehe sicherlich nicht an der Spitze der moralischen Nahrungskette, aber dennoch war ich der glücklichste Mensch, als ich diesen Vertrag kündigte respektive auf Null stellen ließ. Denn bei einer Kündigung hätte die „Ergo“ mein erwirtschaftetes Geld zum allergrößten Teil behalten. Jetzt zahle ich mir den Betrag monatlich selbst auf ein ganz normales Geldmarktkonto.

 

 

Lieber Linus Volkmann,

 

vielen Dank für das Interview und Deine persönliche Meinung zu Versicherungen.
Bitte erlaube uns hierzu ein paar Worte. Mit unserem Portal möchten wir Medienschaffende dazu sensibilisieren, sich auch einmal Gedanken zu Ihrer Vorsorge zu machen. In welcher Form auch immer. So kann dies auch darin bestehen, Geld auf einem privaten Konto zu sparen und für die Altersvorsorge zu verwenden. Allerdings sollten nach unserer Meinung Versicherungsverträge nicht per se ausgeschlossen werden. So gibt es auch hier sinnvolle Anlagemöglichkeiten. Der Meinung, dass man die Angebote auf dem Markt allerdings sehr gut durchleuchten muss und auch kritische Fragen an Versicherungen und deren Vertreter stellen darf, sind auch wir. Es bedarf einem sinnvollen Mix von verschiedenen Formen, um nicht am Ende mittellos im Alter dazustehen.

 

Beste Grüße vom Team medienvorsorge.de

 

 

 

Hier geht´s zu Linus Volkmann beim „Ventil Verlag“