Auf Musikmagazinen wie der Juice oder dem Intro-Magazin sieht man in letzter Zeit nur noch ein Gesicht: Benjamin Griffey alias Casper. Am 08. Juli veröffentlichte der 29-jährige Bielefelder das schon seit langer Zeit erwartete Album "XOXO". Die Erwartungshaltung auf das Album und die anstehende Tour im Oktober ist imens. "Der nette Benjamin von nebenan ist drauf und dran ein großer Star zu werden", titeln Magazine. Ein Grund genug für uns, vorher mit ihm auch mal über sein Verhältnis zu Geld und Verträgen in der Musikindustrie zu sprechen. Ein neues Terrain für ihn, lebte er als Kind noch in den USA in einem Trailerpark zwischen Möbeln aus Pappkartons.
medienvorsorge.de: Das Rolling Stone-Magazin sieht Dich als die Zukunft des deutschen HipHop, Dein Album zählt zu den meist erwarteten Alben im Jahr 2011. Wie gehst Du mit dem Druck um?
Casper: Mich als Zukunft des deutschen hiphops zu bezeichnen, finde ich mindestens ebenso schmeichelnd wie auch irreführend. Denn einerseits, klar, ehrt mich das sehr, dass mein andersartiger Ansatz gewürdigt und angenommen wird. Auf der anderen Seite denke ich aber, dass es in der Szene andere Anwärter auf die Krone des Rappers für die Rapper gibt. Druck gibt es keinen wirklichen, dafür ist die momentane Achterbahnfahrt einfach zu aufregend. Was aber auffällt, ist die zunehmende Öffentlichkeit, die mir zuteil wird. Da muss ich mich erst einmal akklimatisieren.
Wahrscheinlich hilft Dir beim Verarbeiten der derzeitigen Situation auch ein wenig Dein Psychologiestudium? Obwohl man sich fragen muss, ob Du überhaupt im Hörsaal warst. 14 Semester studiert und keine einzige Prüfung abgelegt? Der Beruf des Psychologen scheidet nach der Musikerkarriere schon mal aus...
Keine einzige Prüfung abgelegt stimmt ja nur halb. Ich war in Erziehungswissenschaften im Diplomstudium immatrikuliert. Und dort erhält man die Scheine einfach für Referate. Einer der Gründe, warum ich mich überhaupt dafür entschieden habe. Die Scheine fürs Vordiplom hätte ich gehabt, Hauptstudiumscheine sogar schon. Nur fehlt mir wirklich immer der Mut, mich den ernsthaften Arbeiten zu widmen. Nach der Musikerkarriere... da denk ich am liebsten nicht dran. Leute, die das im Hinterkopf haben, sollten sich auch am besten niemals für diesen Weg entscheiden. Das ist so wie sich tätowieren lassen mit dem Hintergedanken "in 30 Jahren kann man sich das ja bestimmt entfernen lassen."
Die Vorschusszahlung aufs Album ist geflossen. In einem Interview erwähntest Du, dass man Dir darauf hin geraten haben, ganz schnell was zu kaufen, um was absetzen zu können. Was kauft man sich da als Erstes?
Natürlich, wir sind ja in BERLIN, ein macbook (lacht). Aber ansonsten muss ich wirklich zugeben, dass für einen gehypten Musiker mein Besitz wirklich ärmlich, fast schon kärglich ist. Mein Fernseher ist alt, meine Möbel auch und ich lebe in einer 3er WG. Find ich aber alles total gut so. Das Durchdrehen auf Status soll anderen vorbehalten bleiben. Alles, was ich brauche ist eine riesige Schale "fruit loops", schlechte Will Ferrell Filme und die Snuggie-Decke. Perfekt.
Geld ist ja auch nicht der Grund, warum Du Musik machst. So war zu lesen, dass "wenn Musik oder das, worauf man halt grad Bock hat, dafür reicht, dass man nicht ständig jeden Euro umdrehen müsste und das essen könnte, worauf man grade Lust hat. Ohne im Reichtum zu schwimmen. Das reicht schon. Das wäre groß!"
Das stimmt nach wie vor. Und dennoch ist das immer noch nicht SO weit. Klar, kann ich mir ein kleines Gehalt auszahlen und Miete davon bezahlen und und und. Das ist allerdings immer noch so klein, dass es sich nicht ernsthaft lohnen würde, mich auszurauben. Nichtmal am Anfang des Monats.
Mit diesem Portal wollen wir Nachwuchskünstler über Tücken in der Geschäftswelt aufklären. Hast Du schon Erfahrungen gemacht, die Du an den Nachwuchs weitergeben möchtest?
Oh je. Da müssen wir weit ausholen. Denn ich bin mir sicher, dass NIEMAND im Musikgeschäft auch nur ANNÄHERND so viele blöde Entscheidungen getroffen hat, wie ich. Wirklich. Wenn Euch jemand einen Vertrag anbietet, LEST DEN DURCH. Und dann gebt ihr das einem Anwalt, dass der sich das durchliest. Und wenn das alles passiert ist... sucht man sich beratende Menschen, denen man traut. Und die lesen sich das durch... Und IRGENDWANN... wenn das vielleicht gut ist, überlegt man ganz genau! Wirklich! Da bin ich in so vier bis zwölf Fettnäpfchen getreten.
Dein Management "Beat the rich" vertritt auch Künstler wie K.I.Z. und Kraftklub. Wie wichtig ist es für einen jungen Künstler, sich einem Management anzuschließen, welches über ein funktionierendes Netzwerk verfügt?
Wenn das Management wirklich super ist und über ein super Netzwerk verfügt, dann mach das auch Sinn. Wie zum Beispiel die Damen und Herren von beattherich/landstreicher. Da bin ich 1000-%ig sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Leider sind da draussen auch viele schwarze Schafe unterwegs, die Dinge versprechen, die so im Leben nie eintreten. Wichtig ist, sich die Vita der Personen anzugucken. Und nicht an den blauen Himmel zu glauben, der da auch sehr oft versprochen wird.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg auf Deinem weiteren Weg!
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