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Nachwuchskünstler aufgepasst: Kindergeldgrenzen!

Kinder sind gemäß § 32 (1) EStG Personen, welche im ersten Grad mit dem Steuerpflichtigen verwandt oder auf Dauer dessen Pflegekinder sind.

 

Wer hat Anspruch auf Kindergeld?

 

Gemäß § 32 (3) EStG sind Kinder kindergeldberechtigt, wenn sie das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Unter bestimmten Voraussetzungen wird das Kindergeld auch über das 18. LJ hinaus gewährt.

  

  • bis zur Vollendung des 21. Lebensjahr, wenn das Kind nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht und parallel bei der Agentur für Arbeit als arbeitsuchend gemeldet ist.
  • bis zur Vollendung des 25. LJ, wenn es
    • für einen Beruf ausgebildet wird
    • sich in einer Übergangszeit von maximal 4 Monaten befindet, die zwischen zwei Ausbildungsabschnitten (Schule, Studium, FSJ, Wehr- bzw. Zivildienst) liegt
    • eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatz nicht beginnen/fortsetzen kann
  • wenn das Kind aufgrund einer Behinderung außer Stande ist sich selbst zu unterhalten. Voraussetzung ist, dass die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahr eingetreten ist.
  • über das 21. bzw. 25. LJ hinaus, sofern das Kind den gesetzlichen Grundwehrdienst oder Zivildienst geleistet hat. Die Berücksichtigung erfolgt höchstens um die gesetzliche Mindestdauer des Grundwehr- bzw. Zivildienstes.

  

Abgesehen davon muss der Wohnsitz oder der gewöhnliche Aufenthalt im Deutschland liegen.

 

 

Einkommensgrenzen des Kindes bei Anspruch auf Kindergeld

           

Auch wenn einer der vorgenannten Voraussetzungen zutrifft, kann es dennoch passieren, dass das Kind durch ein zu hohes eigenes Einkommen kein Anspruch auf Kindergeld hat.

Die bereits genannten Regelungen greifen daher nur dann, wenn das Kind Einkünfte, die zur Bestreitung des Unterhalts oder der Berufsausbildung bestimmt oder geeignet sind, von höchstens 8.004 Euro im Kalenderjahr hat.

 

Von den Einkünften des Kindes abzuziehen sind folgende Sozialversicherungsbeiträge:

 

  • Krankenversicherungsbeiträge - Gesetzliche und Privat (BFH, Urteil vom 16.11.2006, III R 74/05) - dies gilt allerdings noch nicht wenn das Kind gleichzeitig familienversichert ist
  • Private Zusatzversicherungen für Zahnersatz (BFH, Urteil vom 29.05.2008, III R 33/06)

 

Hierbei gilt es zu beachten, dass vom Einkommen auch die im Ausland gezahlten Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden dürfen.

 

Eine Entscheidung des BFH bezüglich der Berücksichtigung von Krankheitskosten bei der Grenzbetragsüberschreitung steht noch aus. Zwar wird erwartet, dass der BFH auch diesbezüglich positiv entscheiden wird, dennoch sollte solange dies noch nicht geschehen ist im Falle eines Ablehnungsbescheids unter Hinweis auf die bereits veröffentlichten BFH-Urteile Kindergeld beantragt werden.

 

Bis zum Endes des Monats, in dem das 18. Lebensjahr vollendet wird, ist das Kind unabhängig von seinem Einkommen kindergeldberechtigt. Danach gilt es en Grenzbetrag entsprechend einer monatsgenauen Betrachtung anzupassen.

Sollte ein Kind beispielsweise im Juli seine Volljährigkeit oder aber auch das Ende einer Ausbildung feiern dürfen, müssen 7/12 vom zulässigen Grenzbetrag für das Jahreseinkommen abgezogen werden. Die Monate Januar bis einschließlich Juli sind Kürzungsmonate.

Es ergibt sich daher nun ein geminderter Grenzbetrag i.H.v. EUR 3.335,00 (5/12 * 8.004,00).

 

Sollte nach allen Berechnungen die Einkommensgrenze nur um wenige Euro überschritten werden, ist es dennoch sinnvoll einen Kindergeldantrag zu stellen. Derzeit wird durch das Bundesverfassungsgericht geprüft, ob das strikte Einhalten der Grenze von zur Zeit 8.004 Euro verfassungskonform ist. Beim Antrag sollte daher auf das Verfahren „2 BvR 2122/09“ verwiesen werden.

 

 

Fristen

 

Die 4-jährige Festsetzungsfrist beginnt gemäß § 170 Abs. 1 AO mit Ablauf des Kalenderjahres in dem der Anspruch entstanden ist (z.B. Frist des Jahres 2006 endet am 31.12.2010).

 

Hierbei gilt es zu beachten, dass der BFH beschlossen hat, dass eventuell nachträglich entstandene Kindergeldansprüche auch rückwirkend geltend gemacht werden können!

 

Daher kann es sich aufgrund mehrerer, innerhalb der letzten Jahre beschlossenen Urteile, die für den Bürger begünstigend wirken können, gegebenenfalls lohnen, eine rückwirkende Betrachtung vorzunehmen, sofern das Recht auf Kindergeld zu einem Zeitpunkt innerhalb der letzten 4 Jahre entzogen worden sein sollte.

Es gilt zu beachten, dass der Grenzbetrag für die Einkommen der Kinder in den Jahren 2004 bis 2009 bie EUR 7.680,00 lag und erst zum Jahr 2010 auf die jetzigen EUR 8.004,00 angehoben wurde.

 

Beispiel

 

Die Nachwuchsschauspielerin studierte von 2006 bis 2008 an einer Filmhochschule. Nebenbei drehte sie hin und wieder Kurzfilme und Werbespots für lokale Kinos und Geschäfte, wobei sie pro Kalenderjahr 8.500 EUR verdiente und damit den Anspruch auf Kindergeld durch Überschreiten des Grenzbetrags verwirkte. Während der Zeit des Studiums war sie außerdem nicht familienversichert.

 

Im Jahr 2010 stellt sie nun fest, dass die Ausgaben in Höhe von 1.200 EUR für die Krankenversicherung sogar rückwirkend bis zu 4 Jahren abgezogen werden dürfen. Da die Einkünfte abzüglich der entstandenen Aufwendungen für die Krankenversicherung nur noch bei 7.300 EUR – und damit unterhalb des Grenzbetrages – liegen, erhält die Nachwuchsschauspielerin nachträglich auf Antrag für die Jahre 2006 – 2008 Kindergeld ausbezahlt.

 

Im Bereich "Download" haben wir eine Arbeitshilfe zur Ermittlung der Einkünfte online gestellt.

 

PDF zum Download

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