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Das setz´ich von der Steuer ab (Teil 1)

Ein von selbständigen Filmschaffenden häufig gehörter Satz. Ob es sich aber tatsächlich um Betriebsausgaben handelt oder aber in einer Betriebsprüfung, in der die Kosten seitens des Finanzamtes ja erst kontrolliert werden, der große Schock kommt, wollen wir in den nächsten beiden Kolumnen anhand typischer Kosten untersuchen.

 

Wann Betriebsausgaben vorliegen, muss im Einzelfall betrachtet werden. Die Abziehbarkeit von Aufwendungen als Betriebsausgaben setzt voraus, dass sie durch den Betrieb veranlasst sind. Durch den Betrieb veranlasst sind alle Aufwendungen, die ihre direkte Ursache in der Tätigkeit des Filmschaffenden haben oder die sonst in einem engen wirtschaftlichen Zusammenhang mit der Tätigkeit stehen. Eine betriebliche Veranlassung ist stets zu bejahen, wenn sie objektiv durch die Tätigkeit, d.h. durch die besonderen betrieblichen Gegebenheiten verursacht sind.

 

Das Problem häufiger Ausgaben von Filmschaffenden ist, dass diese sowohl beruflich als auch privat veranlasst sind (bzw. sein  können). Und dies ist, auch wenn der Bundesfinanzhof in einem bahnbrechenden Urteil in diesem Jahr Abstand von dem Aufteilungsverbot genommen hat, immer kritisch. So durften in der Vergangenheit gemischt genutzte Aufwendungen nicht in einen privaten und einen beruflichen Teil aufgeteilt werden und bei einer – auch nur geringen privaten Mitveranlassung – wurde der Betriebsausgabenabzug untersagt.

Nach neuem Rechtsstand kann zwar eine Aufteilung und eine anteilige Berücksichtigung vorgenommen werden. Wie der BFH in seinem Urteil allerdings direkt klarstellte, gilt dies nicht bei unverzichtbaren Ausgaben der privaten Lebensführung. Und die werden vom Finanzamt schnell unterstellt. Nachfolgend wollen wir insoweit zu einzelnen Positionen Stellung beziehen.

 

 

Bahncard

Die Kosten einer Bahncard sind Betriebsausgaben, wenn der Filmschaffende regelmäßig Dienstreisen per Bahn durchführt. Voraussetzung ist, dass die Aufwendungen ohne Bahncard höher wären. Kann er also nachweisen, dass die beruflichen Fahrten – ohne Bahncard – beispielsweise bei 4.000 Euro liegen, steht dem Betriebsausgabenabzug einer Bahncard 100 nichts mehr im Weg.

 

 

Berufskleidung

Aufwendungen für Kleidung und Kosmetika können als typische Kosten der privaten Lebensführung grundsätzlich weder als Betriebsausgaben noch als Werbungskosten abgezogen werden. Das gilt selbst dann, wenn die Kleidungsstücke und Kosmetika zum Teil oder nahezu ausschließlich bei der Berufsausübung gebraucht werden. Häufig wird argumentiert, dass man als Schauspieler wesentlich mehr Kosmetika bzw. spezielle Produkte benötigt. In diversen Verfahren wurde allerdings geurteilt, dass auch für als außergewöhnlich hoch empfundene Aufwendungen kein Abzug zugelassen ist.

 

Nach diesen Maßgaben wurde weiter entschieden, dass Aufwendungen einer selbständig tätigen Sängerin für übliche Kleidung wie Abendgarderobe, Folklorebekleidung sowie Kleidung im Freizeitlook selbst dann keine Betriebsausgaben darstellen, wenn die Kleidung eigens für Bühnen- oder Fernsehauftritte beschafft und nur anlässlich dieser Auftritte getragen wurden.

 

Eine Berücksichtigung kommt lediglich in den Fällen in Betracht, in denen sich die Kosten nach objektiven Maßstäben und in leicht nachprüfbarer Weise abgrenzen lassen. Bislang wurde dies beispielsweise bei Uniformen, Amtstrachten, Cut eines Empfangschefs, schwarzen Rock einer Serviererin, Sportkleidung mit Rangabzeichen, Arztkitteln und dem schwarzen Anzug von Geistlichen anerkannt. Das Kostüm einer Fernsehansagerin hingegen wurde nicht als Betriebsausgaben berücksichtigt.

 

 

Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen

Aufwendungen zum Besuch kultureller Veranstaltung gehören grundsätzlich zu den nicht abzugsfähigen Kosten der Lebensführung. Diese sind auch dann nicht abzugsfähig, wenn sie zur Förderung des Berufs oder der Tätigkeit des Medienschaffenden dienen. Nach Ansicht des Bundesfinanzhofes soll dies der steuerlichen Gerechtigkeit dienen. Demnach werden entsprechende Aufwendungen auch von zahlreichen kulturell interessierten Personen gemacht, die sie auch aus versteuerten Einkünften decken müssten.

 

Eine Ansicht, die wir nicht immer teilen können. So handelt es sich bei Kino- bzw. Theaterbesuchen häufig auch um Fortbildungsmaßnahmen, beispielsweise wenn ein Schauspieler sich Theaterstücke anschaut, die er künftig spielt bzw. in Filmen neue Kameratechniken verwendet werden. Es ist dann nachzuweisen, dass die Aufwendungen ihrer Art nach so eng mit der beruflichen Tätigkeit verknüpft sind, dass die Annahme von privater Veranlassung von vornherein ausscheidet. Es ist insoweit anzuraten, der Rechnung über die kulturelle Veranstaltung Notizen beizufügen, warum es sich eindeutig um Betriebsausgaben handelt.

 

 

Reinhard Knauft

aus: Cinearte 225

 

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